Mein LO
Elisabeth Schallhart
30.04.2009

Aktive Medienarbeit im Kindergarten

Die Beispiele zeigen, was aktive Medienarbeit im Kindergarten bedeutet und wie neue und alte Medien den Alltag bereichern können.
 

Die nächsten Beispiele sollen Ihnen näherbringen, wie Medien im Kindergarten eingesetzt und wie sie den Kindergartenalltag bereichern können. Aktive Medienarbeit bedeutet, dass die Kinder erste Kompetenzen durch das Ausprobieren von und Gestalten mit Medien erwerben und bereits einfache Medienproduktionen schaffen. Durch den natürlichen Umgang im pädagogischen Rahmen der Kindergartenarbeit ergeben sich viele Gelegenheiten, mit Medien zu arbeiten und eigene Medienerlebnisse zu verarbeiten.

 

Verschiedene Medien kennen lernen

Der Kindergarten bietet Kindern, wenn sich die Institution zur medienpädagogischen Arbeit bekennt, die Möglichkeit, verschiedene Medien und Medienprodukte kennen zu lernen. Es muss sich dabei nicht nur um neue Medien wie den Computer handeln, sondern gerne werden auch "alte" Medien wie Tonbandgeräte, Diaprojektoren usw. ausprobiert. Durch ein vielfältiges Medienangebot kommt es so zu einer additiven Nutzung von Seiten der Kinder. Neue Medien müssen die alten Medien nicht zwingend ablösen sondern können nebeneinander genutzt werden.

Medien im Kindergarten

Medien im Spiel integrieren
Medien dürfen in der Institution Kindergarten keinen Sonderstatus erhalten und sollten als "alltägliche" Bestandteile des Gruppenlebens verwendet und eingesetzt werden. Der Computer im Gruppenraum wird so von den Kindern genauso genutzt wie andere Materialien und Spielgeräte. Zur selbstverständlichen Benützung gehört meiner Meinung nach auch die Digitalkamera der Gruppe oder auch der CD-Player.

Medien von Daheim mitbringen dürfen
In unserer Gruppe ist es üblich, dass die Kinder einmal pro Woche ihre Lieblingsspiele von zu Hause mitbringen. An diesen "Mitbringtagen" kommt es in einer "medienoffenen" Institution natürlich vor, dass die Kinder auch ihre eigenen Medien von zu Hause mitbringen. Handys, Walkie Talkies, Musik- CDs oder Kinderlaptops bereichern immer wieder unseren Kindergartenalltag. Das gemeinsame Spielen und Ausprobieren der Medien ermöglicht den Mädchen und Jungen spannende und gemeinschaftliche Erlebnisse, wenn sie sich gemeinsam verschiedene Spielmöglichkeiten erklären oder einander zeigen, wie bestimmte Aufgaben am besten gemeistert werden.

Raum für Medienverarbeitung
Der Kindergarten ermöglicht den Kindern, ihre Medienerlebnisse in einem "geschützten" Raum zu verarbeiten und über ihre Medienerfahrungen zu sprechen. Dies drückt sich oftmals aus in Malarbeiten der Kinder, im Rollenspiel oder bei der Verwendung bereitgestellter Materialien, die diese Verarbeitung und Reflexion zusätzlich anregen.

Digitale Medien zur Bildungsdokumentation
Durch die neuen Medien können heute Bau- und Kunstwerke der Kinder einfach fotografiert und dokumentiert werden, auch von den Mädchen und Jungen selbst. Für die Bildungsdokumentation anhand von Portfolios eröffnen sich hier neue und spannende Möglichkeiten der Kompetenzdarstellung von Kindern. Konsequent werden Kompetenzerweiterungen und individuelle Entwicklungsschritte der Kinder dokumentiert und sichtbar gemacht, die neuen Medien unterstützen und bereichern mit ihren Funktionen diese Methode.

Kreative Möglichkeiten mit Medien erkunden
Kinder arbeiten schon im Vorschulalter sehr gerne mit kreativer Software und gestalten erste Medienproduktionen nach ihren Vorstellungen. Sie malen am Computer, stellen mit Audiobearbeitungsprogrammen ihre Lieblingslieder vor oder versuchen sogar erste Trickfilme und digitale Bilderbücher zu erstellen.

Wie können sich Eltern in die Medienarbeit einbringen?

Interesse der Eltern
Das Interesse der Eltern im Bereich Medienbildung ist für die Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen von großer Bedeutung. Findet in ihrer Institution noch keine aktive Medienerziehung statt, kann das Interesse von Seiten der Eltern die pädagogischen Fachkräfte zu einem Reflektieren und Überdenken ihrer praktischen Arbeit führen und vielleicht erste Schritte in Richtung Öffnung für Medienarbeit bedeuten. Ist medienpädagogische Arbeit bereits Bestandteil ihrer Bildungsinstitution erhöht die Offenheit und das Interesse der Eltern die Motivation der Kindergartenpädagogin, des -pädagogen, wenn sie oder er sieht, dass dieses Thema auch in den Familien für Diskussionen sorgt. Gemeinsame Gespräche und Veranstaltungen können hier Unsicherheit und Fragen von Seiten der Eltern thematisieren.

Unterstützung anbieten
Eltern, die sich sehr gerne für die Medienarbeit im Kindergarten engagieren möchten, sollten bei Bedarf Unterstützung für die pädagogischen Fachkräfte anbieten. Denn: Die Planung und Durchführung medienpädagogischer Projekte und Angebote benötigt viel Zeit und Energie. Viele Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen sind nicht mit diesen neuen Medien aufgewachsen und müssen sich langsam in diese für sie neue Thematik einarbeiten. Wenn sie jedoch Hilfestellung erhalten, werden sie sicher gerne darauf zurückkommen.

Literatur

  • Bickelmann, K./Sosalla W. (2002): Medienkompetenz. Voraussetzungen, Förderung, Handlungsschritte. Schriften des LMS, Band 9, Berlin: Vistas
  • Fthenakis, W. E., Schmitt, A., Eitel, A., Gerlach, F., Wendell, A. & Daut, M. (2009): Natur-Wissen schaffen. Band 5: Frühe Medienbildung. Troisdorf: Bildungsverlag EINS
  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2009): KIM-Studie 2008. Kinder + Medien, Computer + Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-jähriger in Deutschland. Stuttgart
  • Schallhart, Elisabeth (2008): MedienKindergarten. Überlegungen zur Integration medienpädagogischer Arbeit im Kindergartenalltag, Saarbrücken: Verlag Dr. Müller
  • Theunert  H. (2005): Kinder und Medien. In: Hüther, J./Schorb, B: Grundbegriffe der Medienpädagogik. München: KoPäd, S. 195-202
Kooperation
 
Elternarbeit
  • Elternarbeit
    Ideen und Infomaterialien zum Thema Medienerziehung
 
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