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12.11.2008

Genderaspekte und PC-Nutzung

Computer haben für Mädchen und Jungen eine ganz andere Bedeutung: Sie nähern sich den digitalen Medien auf verschiedene Weise an, was zu unterschiedlichem Umgang führt.
 

Heute verfügt bereits ein großer Teil der Mädchen und Jungen im Vor- und Grundschulalter über Computererfahrung. Computer haben jedoch für Mädchen und Jungen eine unterschiedliche Bedeutung. Sie nähern sich dem Medium nicht auf die gleiche Weise an und nutzen es nicht gleich häufig. Bei Mädchen wird eine geringere Nutzung häufig auf natürliche Zurückhaltung oder mangelndes Interesse gegenüber Technik zurückgeführt.

Laut Studien, die Genderaspekte mit einbeziehen, sind die Gründe dafür jedoch woanders zu suchen: nämlich in den unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen. Denn bereits während der frühesten Kindheit lernen Kinder, dass es zwei unterschiedliche Geschlechter gibt, dass sie einem angehören, und dass damit kulturelle Normen verbunden sind.

 

Unterscheidung zwischen weiblich und männlich

Kinder lernen früh, zwischen "weiblichen" und "männlichen" Gegenständen, Attributen und Veraltensweisen zu unterscheiden. Jungen bevorzugen beispielsweise Gegenstände, die als männlich eingestuft werden und Mädchen fühlen sich mehr zu den als weiblich angesehen Dingen hingezogen.
Entscheidend sind dabei die Alltagssituationen, die den Kindern vorgelebt werden. Das Kind bekommt in seinem unmittelbaren Umfeld mit, welche Tätigkeiten von Frauen oder Männern durchgeführt werden und dass beispielsweise Frauen und Männer unterschiedliche Sportarten ausüben.
Mit dem Bereich Technik asoziieren Kinder bereits sehr früh "Männlichkeit" und der Computer ist dem Bereich eindeutig zuzuordnen. Die geschlechtsspezifischen Unterscheidungen sind also nicht als biologisch oder angeboren anzusehen, sondern als Resultat bereits früh einsetzender Lernprozesse.

Prägung von Vorlieben und Verhaltensweisen
Diese Lernprozesse, die ausschlaggebend sind für die Vorlieben und Verhaltensweisen von Jungen und Mädchen, setzen sich dann weiter fort: von der Familie, in die Schule und bei der späteren Berufswahl. Wenn  der Computer in der Familie überwiegend vom Vater oder Bruder genutzt wird und die Lehrerin in der Schule sich vom Computer fernhält, entsteht bei Kindern schnell der Eindruck, dass dieses Medium eher für Männer als für Frauen gemacht ist. Letztendlich wird sich ein Mädchen mit solchen Sozialisationserfahrungen kaum für einen technischen Beruf interessieren.

Einfluss von sozialen Normen
Obwohl bei den meisten Eltern und Pädagogen heute die feste Überzeugung herrscht, dass in der Erziehung von Jungen und Mädchen keine Unterschiede gemacht werden sollten, darf die Rolle der vorherrschenden sozialen Normen nicht unterschätzt werden. Jede noch so egalitäre Erziehung kann dadurch unterwandert werden. Angefangen bei Spielzeugläden, die nach Spielzeug für Jungen und Mädchen unterscheiden, über Fernsehprogramme und Jugendzeitschriften, bis hin zu Freundeskreis und Mitschülern.

Geschlechtsspezifische Computererfahrungen

Die nachfolgend vorgestellten Ergebnisse entstammen dem Hamburger kubim-Projekt "Schwimmen lernen im Netz", durchgeführt an Hamburger Grund- und Sonderschulen. Dabei wurde untersucht, wie die hohe Motivation der Kinder und ihre Kompetenz in Bezug auf den Umgang mit neuen Medien (vor allem Fernsehen und Computerspiele) für ihre Teilnahme am Schulunterricht bewusst genutzt werden kann.

Beobachtete Unterschiede:

  • In den Vorerfahrungen hinsichtlich der Computertechnologien
    Mädchen und Jungen spielen überwiegend mit dem Computer, sie spielen aber unterschiedlich lang und unterschiedliche Spiele.
  • Im Zugang zu Computern
    Mädchen haben überwiegend Zugang über männliche Besitzpersonen, zum Beispiel über den Bruder, Vater oder Onkel. Jungen haben vielfach schon eigene Computer oder Konsolenspiele.
  • In der Einstellung zu Computern und Computertechnologien
    Computer- und Technikkompetenz ist vielen Jungen wichtiger als Mädchen. Jungen zeigen ihre spielerisch erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten offensiver als Mädchen.
  • In den Kompetenzen bei der Nutzung neuer Medien
    Jungen übertragen ihre spielerisch erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten auf andere Zusammenhänge und Programme eher als Mädchen. Dadurch erscheinen sie, manchmal ungerechtfertigt, als "Computerspezialisten".

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